Hermann Josef Schmidt: Nietzsche absconditus oder Spurenlesen...

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Hermann Josef Schmidt

Nietzsche absconditus oder Spurenlesen bei Nietzsche

4 Bände, zus. 2.515 Seiten, kartoniert, im Schuber, Euro 100.-
ISBN 3-932710-00-2
erschienen 1994


Hermann Josef Schmidt: Nietzsche absconditus oder Spurenlesen...

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I. Kindheit
An der Quelle: In der Pastorenfamilie, Naumburg 1854-1858 oder Wie ein Kind erschreckt entdeckt, wer es geworden ist, seine ‘christliche Erziehung’ unterminiert und in heimlicher poetophilosophischer Autotherapie erstes ‘eigenes Land’ gewinnt 2 Bände, 1.120 Seiten, kartoniert, Euro 50.- ISBN 3-932710-01-0

II. Jugend
Interniert in der Gelehrtenschule: Pforta 1858 bis 1864 oder Wie man entwickelt, was man kann, längst war und weiterhin gilt, wie man ausweicht und doch neue Wege erprobt
1. Teilband 1858-1861, 632 Seiten, kartoniert, Euro 33.- ISBN 3-932710-02-9
2. Teilband 1861-1864, 763 Seiten, kartoniert, Euro 35.- ISBN 3-932710-03-7

Anhand der Kindheits- und Jugendtexte spürt Hermann Josef Schmidt den verborgenen Nietzsche hinter den Masken und Anspielungen auf, heftet sich an die Spuren eines Philosophen, der sein Fühlen und Denken nur verschlüsselt zu Papier brachte. Die LeserInnen erhalten Einblick in jene verborgene Welt des Widerstandes gegen die christliche Erziehung und lernen die Problemwelt des Jugendlichen als Grundlage für eine angemessene Deutung des späten Werkes verstehen.
Nietzsche absconditus stellt die Nietzscheinterpretation aus ihrem tradierten Kopfstand, d.h. aus entwicklungsblindem Interpretieren später Texte (ohne Kenntnis der früheren oder gar von Nietzsches eigenen Kompetenzen) sorgsam auf die Füße einer historisch-genetischen Interpretation, um von Nietzsche endlich etwas mehr zu erkennen und um tradierte interpretative Willkürlichkeiten schon vom Ansatz her zu erschweren.
In Nietzsche absconditus Kindheit werden Nietzsches Kindheitstexte erstmals aus sich selbst heraus verstanden, nicht aus dem Blickwinkel der Spätschriften. Was das Kind 1854 bis 1858 zu Papier brachte, ist so überraschend, faszinierend und hintersinnig, daß der aufmerksame Leser aus dem Staunen kaum herauskommt. Es offenbaren sich verborgenste Probleme des kleinen Nietzsche, die auch später das Denken, Fühlen und Handeln eines der wichtigsten Philosophen des 19. Jahrhunderts prägen. Auf der Grundlage einer fundierten Analyse der Texte wagt Hermann Josef Schmidt schließlich im Rahmen eines weitgespannten, abgewogenen und doch riskanten Syntheseversuchs zuweilen irritierend provozierende Überlegungen, die herkömmliche Interpretationsmuster sprengen könnten.
Nietzsche absconditus Jugend analysiert die Texte des Schülers Nietzsche, die er während seiner sechs Jahre an der Eliteschule Pforta von 1858 bis 1864 schrieb. Subtil werden die Strategien nachgezeichnet, mit denen sich der Junge den Zwängen des protestantischen Internats zu entziehen und wie er seine eigene geistige Welt aufzubauen suchte. Neben Nietzsches Aufzeichnungen und Gedichten dieser Zeit werden auch unveröffentlichte biographische Quellen herangezogen, die dieses Kapitel seiner Lebensgeschichte in einem neuen Licht erscheinen lassen. Der Leser erhält Einblick in eine der Umgebung sorgsam verborgene Welt des Widerstandes gegen die christliche Erziehung, lernt neben vielem anderen die sexuellen und religiösen Probleme des Jugendlichen als Grundlage seiner späteren Philosophie verstehen.
Im ersten Teilband, der die Zeit von Herbst 1858 bis zum Jahresende 1861 umfaßt, wird nach einer umfassenden forschungskritischen Einführung in subtiler Beweisführung die behördlich verordnete Christlichkeit der Landesschule Pforte als “christliche Mogelpackung” dechiffriert und eine zweite sowie dritte unsichtbare Klostermauer versammelten Schweigens identifiziert. Die Entwicklung Nietzsches führt von selbstmordnaher Lebensmüdigkeit zu einer den späten Kampfruf “Dionysos gegen den Gekreuzigten” antizipierenden fulminanten dionysischen Selbstverfluchung des Christentums.
Im zweiten Teilband, der die letzten Jahre bis zur Matura 1864 behandelt, entführt Hermann Josef Schmidt den Leser noch tiefer in die Labyrinthe des “internierten” Nietzsche. Am Ende legt er eine “Pförtner Gewinn- und Verlustbilanz” vor, die so manche offene Frage der Nietzscheinterpretation beantwortet.
Nietzsche absconditus ist damit die einzige Monographie zum frühen Nietzsche. Die “kriminalistische Wissenschaft” Hermann Josef Schmidts macht das Werk auch für “akademisch Unverseuchte” interessant; für Leser, die nach Wegen zur Befreiung von christlichen Traumata suchen oder sich zu einer weniger konventionellen, spannenden und vor allem treffsicheren Nietzschelektüre anregen lassen wollen. Denn trotz aller wissenschaftlichen Gründlichkeit verliert der Autor nie die Aktualität des Denkers Nietzsche aus dem Auge.

Medienstimmen

Unter den mehr als 10.000 Büchern, Aufsätzen und Artikeln zu und über Nietzsche nimmt dieses vierbändige Werk eine Ausnahmestellung ein: Der kriminalistisch-pedantische Gang an die Quellen und der damit verbundene Tiefgang des Stoffes, der Neuigkeitswert und die Seriosität der Information, schließlich die effektvolle Art, das Buch zu gliedern und zu schreiben, sind Momente, die Nietzsche absconditus empfehlenswert machen gerade für den, der sich neue, ungewohnte und durchaus auch anfechtbare Sichten auf Nietzsche erhofft. (Heinz Stade in Thüringer Allgemeine, 24.9.1994)

Der kolossale Umfang dieser ... Bände sollte nicht abschreckend wirken. Wer sich erst einmal eingelesen hat, der kommt nicht mehr los davon. (Steffen Graefe, NDR: Texte und Zeichen, 5.9.1993
)

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